Cäcilia Reichert-Dietzel - gut & erfolgreich für unsere Gemeinde

„Helfen und anpacken, das ist meins“ - Porträt Cäcilia Reichert-Dietzel

Presse

PORTRÄT Cäcilia Reichert-Dietzel stammt aus einer durch und durch politischen und in Ranstadt tief verwurzelten Familie - Kreis-Anzeiger vom 14.09.2015

RANSTADT - „Nur wenn Kinder von Anfang an eingebunden werden, können sie in ihrem Heimatort Wurzeln schlagen.“ Cäcilia Reichert-Dietzel nimmt einen Schluck aus ihrem Wasserglas und blickt vom Balkon ihres Hauses über Felder und Wiesen in Richtung Dauernheim. Die Sonne steht bereits tief und taucht das Dorf und die Felder in warmes Licht. Unterhalb des Balkons grast Damwild, ein Zug der Hessischen Landesbahn schleicht zischend vorbei. „Wer sich mit der Region verwurzelt fühlt, der bleibt – oder kommt nach der Ausbildung zurück.“ Die Bürgermeisterin weiß, wovon sie spricht. Sie ist selbst das beste Beispiel.

Ihre Familie hatte eine Schuhmacherwerkstatt mitten in Ranstadt und – natürlich – Landwirtschaft. In der Werkstatt lernte Reichert-Dietzel, wie man mit Menschen umgeht, lauschte dem Dorfklatsch und war so seit ihrer Kindheit mitten drin im dörflichen Leben. Das sollte so bleiben, später richtete sie sich in der ehemaligen Werkstatt ihre Kanzlei ein. „Helfen und anpacken, das ist einfach meins“, sagt sie. Seit sechs Jahren ist die gelernte Rechtsanwältin Ranstadts Bürgermeisterin, am 27. September stellt sie sich erneut zur Wahl. „Ich denke nicht, dass ich mich seit meinem Amtsantritt groß geändert habe, und ich bin stolz darauf, dass man hört, wo ich herkomme.“

Die Welt jenseits von Ranstadt lernte Cäcilia Reichert-Dietzel durch ihre Großmutter Brunhilde Reichert kennen, die in Glauberg wohnte. Reichert war 30 Jahre lang beim Deutschen Fachverlag in Frankfurt beschäftigt und nahm ihre Enkelin in den Sommerferien mit auf Geschäftsreisen durch ganz Europa. „In Ranstadt saß die Großfamilie immer zusammen, da ging es durchaus rustikal zu“, erinnert sie sich. Ganz anders sei das während der Reisen mit ihrer Großmutter gewesen. „Einmal waren wir in Meran. Dort lernte ich, wie man einen Tisch für mehrere Gänge richtig eindeckt und ein wenig Weinkunde. Das waren Dinge, die ich gerne zu Hause einführen wollte. Das hat nicht immer geklappt“, sagt sie und lacht.

Reichert-Dietzel ist nicht nur in einer tief in Ranstadt verwurzelten, sondern auch in einer durch und durch politischen Familie aufgewachsen. Ihr Urgroßvater war bei der Saalschlacht am 9. März 1931 dabei, ihre Großmutter und viele ihrer Vorfahren haben soziale Berufe ausgeübt. Auch in der Kellerbar ihres Onkels in Stockheim wurde häufig und gerne über Politik diskutiert, während die junge Cäcilia dabeisaß und die Ohren spitzte. Kein Wunder, dass sie Sozialdemokratin geworden ist. Ideologisch verblendet sei sie aber nicht, sagt sie. Gerade in der Kommunalpolitik werde ja oft über die Parteigrenzen hinaus zusammengearbeitet. Cäcilia Reichert-Dietzels Weg in die Politik schien vorgezeichnet. Dabei wollte sie eigentlich einen ganz anderen Beruf ergreifen. Sie wollte Tierärztin werden. „Ich wusste damals schon: Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen und es muss mit der Region zu tun haben.“ Während ihrer Oberstufenzeit arbeitete sie bei einem Tierarzt, nach dem Abitur schrieb sie sich deshalb an der Gießener Universität für den Studiengang Tiermedizin ein. „Ich konnte aber nicht gleich loslegen, sondern musste ein Wartesemester machen. Meiner Mutter hatte ich erzählt, dass ich studiere, also schrieb ich mich in Jura ein, um das Semester zu überbrücken.“ Die Seminare gefielen ihr und einer ihrer Professoren ermutigte sie, das Studium weiter zu verfolgen. „Also habe ich mich auf den steinigen Weg des Jura-Studiums begeben. Was ich anfange, das ziehe ich auch durch.“

Das erste Staatsexamen bestand sie 1997. Im gleichen Jahr zog sie als Abgeordnete in den Kreistag ein. „Da musste ich lernen, mich durchzusetzen.“ Keine einfache Zeit, doch schließlich hatte Reichert-Dietzel gar die Möglichkeit, Landtagsabgeordnete zu werden. „Ich musste nur eine Nacht darüber schlafen, dann war mir klar: Ich bleibe, ich will für die Leute, die hier leben, Politik machen.“ Da war sie schon seit fünf Jahren Fraktionsvorsitzende der SPD im Gemeindeparlament. Auf das Bürgermeisteramt habe sie damals allerdings noch nicht spekuliert, sagt sie.

Als es 2009 darum ging, einen Nachfolger für Erhard Landmann zu finden, kandidierte sie schließlich. „Ich denke, das war damals eine richtungweisende Entscheidung für Ranstadt: Bleibt alles, wie es ist, oder gibt es neue Impulse?“ Am 27. September 2009 gaben 65,2 Prozent der Wähler ihre Stimme Cäcilia Reichert-Dietzel.

Es scheint, als habe das Amt nur auf sie gewartet. „Es ist ein tolles Amt und ich mache das sehr gerne. Aber als Person habe ich auch Respekt davor. Und es ist nicht so, dass ich mich nicht hinterfrage, wie es mir manchmal vorgeworfen wird. Das mache ich natürlich“, sagt Reichert-Dietzel und schickt ein berühmtes Zitat hinterher: „‚Lernen ist wie rudern gegen den Strom. Hört man auf, treibt man zurück.‘ Das kann man aufs ganze Leben beziehen.“

Klar, sagt sie, gebe es auch Momente, in denen man unzufrieden sei. Kraft schöpft sie dann aus ihrem Ziel: „Ich mache das alles für die Menschen hier und letztendlich auch für mich, aus Zuneigung zu meiner Heimat. Es ist ja auch mein Zuhause. Das zieht sich durch mein gesamtes Leben.“

Heimat bedeutet immer auch Familie. Doch gerade dort lief es für Cäcilia Reichert-Dietzel nicht immer rund. Von ihrem Mann Christian Dietzel, Geschäftsführer des SPD-Unterbezirks Wetterau, hat sie sich getrennt. „Die Trennung war eine Herausforderung, aber es geht weiter. Wir haben ein prima Verhältnis und ich habe auch keine Probleme, darüber zu sprechen.“

Als Bürgermeister, findet Cäcilia Reichert-Dietzel, ist man nicht bloß Verwaltungschef. „Man repräsentiert die Gemeinde. Das kann man viel machen oder wenig.“ Sie tendiert zu Ersterem. Früher hat sie getanzt, später eine Tanzgruppe betreut und im Chor gesungen. Heute bleibt höchstens Zeit für ein paar Bücher, ein bisschen Klavierspielen oder Radfahren. Bürgermeister arbeiten rund um die Uhr. „Es gibt Momente, in denen einen gewisse Leute nicht als Bürgermeister sehen. Das ist schon erholsam, aber es ist selten. Man muss das alles schon wollen.“ Nach einer Pause ergänzt sie: „Aber ich würde auch nicht den Anspruch erheben, dass es jeder so machen muss.“

Reichert-Dietzel lehnt sich zurück und lässt den Blick über die Felder schweifen. „Wenn ich nach Hause komme, ist das schon Erholung. Allein diese Sonnenuntergänge.“

Ihr politisches Vorbild ist Helmut Schmidt. Sein Porträt hängt in ihrem Büro im Rathaus. „Er war ein prägender Politiker. Das möchte ich auch sein. Schmidt verkörpert Disziplin und Aufrichtigkeit und er ist ein Pragmatiker.“ Schmidt habe als Politiker etwas bewegt, das imponiert ihr. „Als mein Sohn 1998 geboren wurde, wurde mir klar: Du musst hier Spuren hinterlassen.“ Das hat Cäcilia Reichert-Dietzel in den vergangenen sechs Jahren durchaus getan. Aber noch sieht sie sich nicht am Ende. Denn was sie anfängt, das zieht sie durch.

 
 

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